Sicher surfen: SSH Tunnel mit Putty

30.04.2011 | 6 Kommentare | Jeffrey

Heut­zu­tage hat es immer öfters offene WLAN-Hotspots mit wel­chen man sich ver­bin­den und somit ins Inter­net gelan­gen kann. Spe­zi­ell natür­lich an öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen oder in Restaurants.

Eigent­lich ganz nett, doch birgt auch die Gefahr mit sich, dass jeder andere Cli­ent im WLAN grund­sätz­lich sehr ein­fach den Internet-Verkehr von ande­ren Per­so­nen im WLAN aus­le­sen kann. Bei unver­schlüs­sel­ten Ver­bin­dun­gen wie HTTP/FTP/POP und IMAP ist auch das Mit­schnei­den von Pass­wör­tern keine Hexerei.

Nun gibt es natür­lich die Mög­lich­keit das Ganze mit einer VPN Ver­bin­dung zu umge­hen. Doch nicht jeder hat einen VPN Ser­ver. Eine Alter­na­tive Mög­lich­keit ist ein SSH Tun­nel, mit wel­chem man zumin­dest den gewöhn­li­chen Internet-Verkehr im Brow­ser oder FTP-Programm sicher tun­neln kann.

Unter Win­dows kann man sich ein sol­ches Tun­nel mit PuTTY ein­rich­ten. Dazu erstellt man in PuTTY ein neues Pro­fil und gibt zuerst die gewöhn­li­chen SSH-Zugangsdaten (Ser­ver, User, …) ein. Nun in der lin­ken Side­bar im Menü “Con­nec­tion  –SSH – Tun­nels” wird nun der ent­schei­dende Ein­trag gemacht.

Im Text­feld “Source port” wählt man einen freien Port auf wel­chem der Proxy-Server hören soll. Bei­spiels­weise 12345. Dann wählt man zusätz­lich die bei­den But­tons Dyna­mic sowie Auto an.

Putty-tunnel

Nun ist das Pro­fil soweit ein­ge­rich­tet, dass man es spei­chern und die Ver­bin­dung auf­bauen kann. Hat dies funk­tio­niert sollte sich nun eine nor­male SSH-Session öffnen, wel­che man nicht schlies­sen darf.

Im Brow­ser (und in den ande­ren Anwen­dun­gen, wel­che man tun­neln möchte) muss man nun den soeben erstell­ten “Proxy”-Server eingeben.

Im Fire­fox bei­spiels­weise unter den “Ein­stel­lun­gen – Netz­werk – Ein­stel­lun­gen”. Da trägt man im Feld SOCKS-Host local­host sowie den im Putty unter “Source port” gewähl­ten Port ein.

Putty-tunnel-firefox

Jetzt kann man bereits sicher über das SSH-Tunnel sur­fen. Um zu über­prü­fen ob der Tun­nel auch rich­tig funk­tio­niert, reicht es einen Web­dienst wie Whats­MyIP auf­zu­ru­fen. Zeigt die­ser nun die IP des SSH-Servers an hat es funktioniert.

Wich­ti­ger Unter­schied zu einer VPN Ver­bin­dung: Es wird zwar der Daten­ver­kehr in den Appli­ka­tio­nen durch das SSH Tun­nel durch­ge­schleust in wel­chen man den Proxy defi­niert hat, die DNS-Anfragen gelan­gen jedoch auf dem gewöhn­li­chen Weg ins Inter­net. Wenn man also nicht möcht, dass andere mit­schnei­den kön­nen auf wel­chen Sei­ten man surft eig­net sich ein SSH-Tunnel nicht. Die DNS-Abfragen im Fire­fox las­sen sich jedoch auch über das Tun­nel lei­ten. Siehe Kom­men­tar von Sebas­tian.

Zudem bringt so ein SSH Tun­nel nur dann was, wenn man dem Netz­werk ver­traut, in wel­chem der SSH-Server sta­tio­niert ist. Denn auf die­ser Seite kann ja auch wie­der der Daten­ver­kehr mit­ge­schnit­ten werden.

Ich bin aber so völ­lig zufrie­den. Möchte nur nicht, dass jemand in einem öffent­li­chen WLAN meine Zugangs­da­ten zu Blog und Ähnli­chem aus­le­sen können.

Falls sich jemand dafür inter­es­siert: Unter Linux, bei­spiels­weise Ubuntu geht das Ganze noch ein wenig ein­fa­cher. Dazu reicht ein ein­fa­ches Shell-Script wel­ches man sich bei­spiels­weise in den Auto­start legen kann.

In den Auto­start kann man es auch unter Win­dows kopie­ren. Dazu habe ich schon einen Bei­trag geschrie­ben.

Wer von euch ver­wen­det eine VPN-Verbindung oder einen SSH-Tunnel um in öffent­li­chen WLANs den­noch siche­rer sur­fen zu können?

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6 Kommentare

  1. Sebastian (30/04/2011) Antworten

    Zu dem DNS Traf­fic gibt es im Fire­fox über about:config nen schö­nen Para­me­ter. network.proxy.socks_remote_dns auf true set­zen. Wenn Socks5 genutzt wird, wer­den die DNS Anfra­gen vom Fire­fox dann auch über den Tun­nel über­tra­gen. Bei Sys­tem Dns Abfra­gen, bzw von ande­ren Pro­gram­men funk­tio­niert das dann natür­luich nicht, außer die kön­nen den Proxy auch nutzen.

  2. Jeffrey (30/04/2011) Antworten

    Danke für den Tipp @Sebastian! Das war mir bis jetzt nicht bekannt. Dann ist auch das Pro­blem gelöst. Zumin­dest im Browser.

  3. Moritz (02/05/2011) Antworten

    Ich ver­wende in öffent­li­chen WLAN’s eigent­lich immer einen Web­Proxy. Das funk­tio­niert natür­lich nur für HTTP/HTTPS, dafür braucht man kei­nen SSH-Tunnel ein­rich­ten. Man muss halt auf­pas­sen, dass man einen WeProxy mit SSL Ver­schlüs­se­lung ver­wen­det. Der DNS Traf­fic wird aber trotz­dem nicht unver­schlüs­selt.
    Da ich eher sel­ten in öffent­li­chen WLAN’s surfe, reicht das für mich voll­kom­men aus.

    Ich aktua­li­siere übri­gens in mei­nem Blog regel­mä­ßig eine Liste mit kos­ten­lo­sen Web­Proxy Ser­vern: http://www.root-on-fire.com/web-proxy-liste/

  4. Jeffrey (02/05/2011) Antworten

    Ich würde dafür in kei­nem Fall einen Web­Proxy ver­wen­den. Da habe ich keine Gewiss­heit was hin­ter dem Proxy mit mei­nen Daten gemacht wird.

    Zudem sind die Anbie­ter dahin­ter oft anonym oder nicht wirk­lich vertrauenswürdig.

  5. Moritz (02/05/2011) Antworten

    @Jeffrey: Da hast du natür­lich recht, man weiß nie genau was mit den Daten pas­siert. Aller­dings gibt es auch große kom­mer­zi­elle Anbie­ter, die ihre Web­Proxy Dienste mit gewis­sen Ein­schrän­kun­gen auch kos­ten­los anbie­ten. Muss jeder sel­ber wis­sen wie ver­trau­ens­wür­dig diese sind.
    Ich habe noch ein Webhosting-Paket mit etwas Spei­cher­platz und dort habe ich ein Web­Proxy Script für mich abge­legt. Das funk­tio­niert soweit ganz gut, wird von den meis­ten Anbie­tern nicht gerne gesehen.

  6. Stargazer (10/05/2011) Antworten

    Das mit dem SSH Tun­nel ist immer wie­der ein Hit, wenn der Admin den gerade benö­tig­ten Port blo­ckiert und man sich nicht gleich kom­plett unbe­liebt machen will, indem man jenem das Netz­werk zerlegt :)

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