Vertrauen in der Informatik, nur wem?

27.01.2012 | 3 Kommentare | Jeffrey

Ein sehr span­nen­des Thema, wel­ches ich heute mit einem Arbeits­kol­le­gen dis­ku­tiert habe. Ich spre­che schlicht und ein­fach von Ver­trauen. Jetzt mal aus der Sicht der Infor­ma­tik gese­hen. Etwas, was man heut­zu­tage nicht mehr weg­den­ken kann, denn ohne Ver­trauen geht rund um Infor­ma­tik ein­fach schlicht nichts mehr. Vor allem dann, wenn dazu noch das Schlag­wort Netz­werk bzw. Inter­net im Spiel ist.

Kon­kret sind wir durch den gest­ri­gen Vor­trag von Patrik und mir am Daten­schutz­tag über Online-Tracking und Nut­zer­pro­file in eine Dis­kus­sion geraten. Die Frage, die uns beschäf­tigt hat: Wel­cher Web­seite oder wel­chem Unter­neh­men kann bzw. soll man denn heut­zu­tage (seine Daten an-)vertrauen?

Ver­trauen in das Seil: Eric C. unter CC BY 2.0

Das Ganze lässt sich natür­lich auch sehr ein­fach auf andere Kate­go­rien über­tra­gen: Wel­chen Pro­gram­men, Apps oder Unter­neh­men kann ich vertrauen?

Ich habe mir meine Gedan­ken dazu gemacht und bin dann zu der Schluss­fol­ge­rung gekom­men, dass ich eigent­lich keine ein­deu­tige Aus­sage dazu machen kann. Im Ver­gleich zu «frü­her», (habe da schon eine Idee für einen wei­te­ren Bei­trag…) habe ich mein Han­deln und Den­ken über das Thema jedoch grund­le­gend geändert.

Bei­spiels­weise instal­liere ich nicht mehr dut­zende kleine Pro­gramme oder Apps, die von irgend­wel­chen Ent­wick­lern kom­men und «kleine Auf­ga­ben erle­di­gen sol­len». Heute über­lege ich mir kon­kret was ich benö­tige und limi­tiere mich auf eine Hand voll Anbie­ter denen ich in gewis­ser Mas­sen vertraue. Das Ganze nicht nur was die instal­lierte Soft­ware angeht, son­dern — wie in der Ein­lei­tung erwähnt — spe­zi­ell dann, wenn es um Dinge aus und in der Cloud geht. Grös­se­ren Unter­neh­men ver­traue ich per­sön­lich bei­spiels­weise eher.

In ver­schie­de­nen Gebie­ten setze ich zudem gerne auf freie Soft­ware. Je grös­ser die Com­mu­nity dahin­ter, desto höher ist mein Ver­trauen ten­den­ti­ell. Ein gutes Bei­spiel ist hier etwa Tru­e­Crypt. Mein Ver­trauen in Tru­e­Crypt ist sehr hoch, ich ver­schlüssle pri­vate Daten damit.

Jetzt würde mich natür­lich bren­nend inter­es­sie­ren, wie das bei euch aus­sieht! Anhand von wel­chen Kri­te­rien legt ihr fest, wem ihr wie viel ver­traut? Wie sieht das bei euch bei­spiels­weise im genann­ten Bei­spiel, Soft­ware instal­lie­ren aus?

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3 Kommentare

  1. Erik (28/01/2012) Antworten

    Ohne Ver­trauen kommt man mit Fremd­soft­ware nicht weit. Man will ja nicht alles sel­ber schrei­ben.
    Ich ver­traue cryp­t­se­tup und Google.

  2. Robert Getzner (28/01/2012) Antworten

    Die Frage ist für mich: wem nützt wel­che Infor­ma­tion über mich. Also 1) wie­viel erfährt ein Anbie­ter (oder Dritte) von mir 2) was kann der Anbie­ter damit machen (oder Dritte) 3) an wen gibt der Anbie­ter (oder Dritte) wel­che Infor­ma­tio­nen wei­ter.
    1) habe ich selbst weit­ge­hend unter Kon­trolle, pro­ble­ma­tisch sind da natür­lich moderne Tracking­mit­tel von Coo­kies bis zu GPS Daten (teil­weise kön­nen pri­vacy tools hel­fen, siehe zB meine Samm­lung unter http://robertgetzner.com/wp/?p=843 — Ergän­zun­gen will­kom­men ; oder GPS ein­fach aus­schal­ten, ich brauch das ja nie wirk­lich). Das heißt auch, daß ich nicht alles in Mails schrei­ben muß, und das ist unab­hän­gig vom Anbie­ter. So lange ich Mails nicht ver­schlüssle gehen die über weiß Gott was für Ser­ver und lie­gen da nackt rum. Also: nix sen­si­bles in Mails (NB: zumin­dest im berufs­kon­text ist es mW ohne­hin ver­bo­ten, per­so­ne­n­en­be­zo­gene Daten jed­we­der Art elek­tro­nisch zu erfas­sen oder gar wei­ter­zu­ge­ben, also ver­bie­tet sich das schon von daher — ich bin aber kein Rechts­ex­perte, also nicht auf mich beru­fen, gell!)
    2 und 3) das obliegt dem Anbie­ter und hier setzt das Ver­trauen an. Was der Anbie­ter mit anony­mi­sier­ten u evtl. aggre­gier­ten Daten macht, ist mir ehr­lich gesagt wurscht. Wer´s damals nicht gemacht hat, kann ja bei bekann­tes­ten Cloud­diens­ten mal in die AGBs schauen und nach­le­sen, daß er/sie offen­bar genau damit ein­ver­stan­den war, sofern er/sie den Dienst nutzt.

    Ich habe für mich fol­gende These: sobald über einen Anbie­ter bekannt würde, daß er nicht-anonymisierte Daten wei­ter­gibt, würde die­ser Anbie­ter Kun­den ver­lie­ren. Damit ver­siegt der Daten­strom für den Anbie­ter und das Geschäfts­mo­dell geht in die Bin­sen -> der Anbie­ter kriegt keine Infor­ma­tio­nen mehr, die er ver­kau­fen könnte. Ergo: der Anbie­ter läßt´s wahr­schein­lich bleiben.

    Daten die wirk­lich sen­si­bel wären, würde ich auch mit Tru­e­Crypt oder ähnli­chem ver­schlüs­seln, das ganze auf eine externe Platte und bei Ver­wand­ten oder Freun­den lagern. Wirk­lich Sen­si­bles ändert sich ja auch nicht so oft, da kann man die­sen Pro­zeß fah­ren. Oder mehr sophisti­ca­ted perio­di­sche Crypt-Container und zB mit rsync syn­chro­ni­sie­ren (dabei fällt mir ein: wer kennt sich von euch mit linux gut aus, ich schei­tere grad mit wget und curl :( )

    • Jeffrey (30/01/2012)

      Sehe ich ähnlich. Ein Anbie­ter, der mit den Daten von Kun­den arbei­tet und dar­aus Geld macht — bei­spiels­weise durch Anzei­gen von nut­zungs­ba­sier­ter Wer­bung — über­legt sich wohl zwei mal, bevor er die ent­spre­chende Daten nicht anony­mi­siert wei­ter­ver­kauft und so die Nut­zer verärgert.

      Vor allem die grös­se­ren Anbie­ter ste­hen zudem unter sehr gros­sem Druck der Öffent­lich­keit. Wenn da mal was schief läuft bleibt das nicht unsicht­bar, son­dern es wird dar­über berichtet.

      Bezüg­lich dei­nem Pro­blem. Even­tu­ell kann ich hel­fen. Schreib mir mal eine Mail. Adresse fin­dest du auf der Kontaktseite.

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